10:00 - 18:00 Uhr
Kunst Kontrastiv. Goya und Dalí im Dialog
06.05 - 01.11.2026
Zwei herausragende Bilderfolgen der spanischen Künstler Francisco de Goya (1746 – 1828) und Salvador Dalí (1904 – 1989) stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Den Anfang machen die gesellschaftskritischen Blätter aus „Los Caprichos“ von Goya, die zwischen 1793 und 1799 entstanden. Sie zählen heute zu den berühmtesten graphischen Zyklen der europäischen Kunst und sind herausragende Wegbereiter der Moderne.
Als Hommage an seinen großen Landsmann transformierte zwei Jahrhunderte später von 1973 bis 1977 Salvador Dalí dieses Schlüsselwerk in seine surreale Formensprache und antwortet auf dessen bittere Ironie: „Seht wie würdevoll“! („Miren que grabes!”). Es erwartet Sie ein künstlerischer Dialog zweier Graphikfolgen, die in einer Auswahl als großzügige Leihgaben der galizischen Fundación Museo de Artes do Gravado á Estampa Dixital für einige Monate zu Gast in Wernigerode sind.
„Los Caprichos“ – Gesellschaftssatire bei Goya und Dalí
Goyas große Graphikfolge erweist sich einerseits als eine ironische Charakteristik menschlichen Lebens, andererseits als bitterböse Anklage der gesellschaftlichen und politischen Umstände seiner Zeit. Abgeleitet vom italienischen Capriccio – unbeschwerte Laune, Einfall – verharmlost die Bezeichnung „Los Caprichos“ den Inhalt des vielfältig gesellschaftskritischen Bilderzyklus. Es handelt sich dabei um eine Serie von 80 Blättern, von denen insgesamt 300 Serien gedruckt wurden. In den Handel kamen 1799 nur wenige davon, da Francisco de Goya diese aus Angst vor der Inquisition frühzeitig einstellte. Die inhaltliche Verschlüsselung der Zeichnungen mag auch zu seinem eigenen Schutz gedient haben – damals wie heute noch stellt die Interpretation dieser mehrdeutigen Gesellschaftssatire eine Herausforderung dar. Dennoch gelang Goya mit vielen Blättern eine bis heute allgemeingültige Aussage zum Leben und Leiden der Menschheit. Besonders berühmt wurde dabei das Capricho mit dem Titel „Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“.
Salvador Dalí ließ die komplette Folge mittels eines photomechanischen Druckverfahrens, der sogenannten Heliogravüre (einer Spezialität des späten 19. Jhs.), reproduzieren und überarbeitete diese Blätter von 1973 bis 1977. In seiner eigenen Formensprache setzt auch er sich in seinem Zyklus in kritischer Weise mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit auseinander und steigert Goyas „Los Caprichos“ ins Surreale.
Die Wernigeröder Ausstellung im Frühlingsbau des Schlosses greift jeweils einzelne Bildpaare heraus und betrachtet ihre mögliche Deutung im historischen und gesellschaftlichen Kontext. Entstanden ist die Ausstellung durch die seit Jahren bewährte gemeinschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schloß Wernigerode GmbH und den Kunstsammlungen und Museen Augsburg.
Hinweis:
Die Sonderausstellung ist Teil des Museumsrundgangs. Daher kann sie während der normalen Öffnungszeiten besichtigt werden und ist im regulären Eintrittspreis enthalten.