Sommeratmosphäre im Ilsetal

"Der Ilsestein im Sonnenlicht"

Gemälde von Georg Heinrich Crola (1804-1879)

Öl/Leinwand, Goldrahmen

1858 34 x 26,5 cm (Bildgröße)

G 000003

Foto: (c) Schloß Wernigerode GmbH, Henrik Bollmann

Der Ilsestein, auch Ilsenstein genannt, bezeichnet eine markante Felsformation aus Granit unweit der Stadt Ilsenburg im Oberharz. Er überragt in einer Höhe von bis zu 160 Metern die westlich an ihm vorüberfließende Ilse und war im Mittelalter Standort einer salierzeitlichen Reichsburg. Diese wurde bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts zerstört, doch konnte ihre einstige Lage durch Ausgrabungen in den 1950/60er-Jahren rekonstruiert werden. Auf dem Gipfel des Ilsesteins ließ Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode (1785-1854) am 16. Oktober 1814 anlässlich des ersten Jahrestages des Gefechts bei Möckern, das den Auftakt zur Völkerschlacht bei Leipzig und damit den Sieg über Napoleon bildete, ein eisernes Kreuz mit Inschrift errichten. Im Jahr 1913 wurde diesem durch Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1864-1940) eine eiserne Gedenktafel mit Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte des Kreuzes hinzugefügt.

Der Maler Georg Heinrich Crola (1804-1879) stellte den Ilsestein 1858 auf einem kleinformatigen, ausgesprochen atmosphärisches Ölgemälde dar, wobei das ungefähr in der Bildmitte angeordnet Gipfelkreuz nur aus einiger Entfernung über den bläulich verschatteten Felsabhängen zu erkennen ist. Im Vordergrund erscheint die Figur eines Wanderers auf einer Lichtung, die beiderseits von hochaufragende Nadelbäumen flankiert wird, die zugleich den Blick auf den Ilsestein und den sich in der dunstigen Ferne unter hellem Sommerhimmel erhebenden Brocken freigeben. Crola stammte aus Dresden und erfuhr dort auch seine künstlerische Ausbildung, bevor er sich auf Wanderschaft begab und dabei die Schönheit des Harzes entdeckte. Er ließ sich in Ilsenburg nieder und erhielt die Erlaubnis, sein Atelier im Wernigeröder Schloss einzurichten. 1840 heiratete er die gleichfalls künstlerisch tätige Elisabeth Fränkel (1809-1878) aus Berlin, mit der er gemeinsame Reisen, unternahm, die u.a. in die Schweiz sowie nach Italien und Norwegen führten, sowie in Ilsenburg ein gastfreies Haus führte.

Seine stimmungsvolle Ansicht des Ilsesteins im Sommerlicht gehörte ursprünglich dem Mediziner und Heimatforscher Adolf Siegmund Friederich (1812-1892), der als gräflicher Leibarzt und Mitbegründer des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde Bedeutung erlangte. Als es 1996 auf einer Auktion in Zürich zum Aufruf kam, erwarb es der eng mit Wernigerode verbundene Unternehmer Harald Rautenbach (geb. 1936) und schenkte es anlässlich seines 60. Geburtstages der Schloß Wernigerode GmbH. Das in vielerlei Hinsicht bedeutende Beispiel der Harzmalerei im 19. Jahrhundert kann heute im Schreibzimmer der Gräfin Anna bewundert werden.

Autor: Ulrich Feldhahn

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