Jagdpause

Wilhelm Pramme: Jäger bei der Kaiserjagd

Öl/Leinwand, 90 x 90 cm (o. Rahmen), 110 x 110 cm (m. Rahmen)
um 1930
© Schloß Wernigerode, Inv.-Nr. Ge 146


Früher war die Herbstzeit für die Bewohner von Schloss Wernigerode und ihre Gäste meist auch gleichbedeutend mit „Jagdzeit“. Die Jagd war lange nicht nur ein bevorzugter Zeitvertreib des Adels, sondern auch dessen Privileg. Sie diente zugleich der Repräsentation, aber auch dem gesellschaftlichen Austausch, konnten dabei doch oftmals leichter Kontakte gepflegt und ungezwungenere Gespräche geführt werden, als es das offizielle Hofzeremoniell andernorts erlaubte. Groß angelegte Jagden in der Umgebung des Schlosses verlangten eine präzise Vorbereitung und hohen personellen Einsatz. Je nach Wildgattung wurden unterschiedliche Reviere und Formen des Jagens gewählt, die aus heutiger Sicht teilweise wenig sportlich anmuten, da man die Tiere mitunter vorher zusammentrieb und den Jägern mehr oder weniger vor die Flinte rennen ließ. 

In diesem Zusammenhang ist ein Neuzugang in den Sammlungen von Schloss Wernigerode von großem Interesse. Es handelt sich um ein Ölgemälde von Wilhelm Pramme (1898-1965), einem aus Halberstadt stammenden, ab 1930 in Wernigerode ansässigen Künstler, der Mitglied der dortigen Künstlerkolonie wurde und zur langen Reihe der „Harzmaler“ im 19. und 20. Jahrhundert zählt. Als solcher hielt er vielfach die landschaftlichen Schönheiten und architektonischen Besonderheiten der Region fest. Das kürzlich aus Privatbesitz erworbene Bild unterscheidet sich davon insofern, als dass es eine figurenreiche Darstellung von Jägern vor einem herbstlich verfärbten Wald zeigt, die sich jedoch bislang nicht genauer bestimmen lässt. Die Signatur des Künstlers „Cop. W. Pramme“ legt nahe, dass er hierbei eine derzeit noch unbekannte Vorlage kopierte.

Das Gemälde zeigt insgesamt vierzehn Teilnehmer einer Jagd, die mehrheitlich in Kniehosen mit Gamaschen, grün-braunen Lodenjacken bzw. -mänteln und Hüten gekleidet mit umgehängten Gewehren eine Pause einlegen. Entlang eines Waldwegs in lockerer Gruppierung aufgeteilt, nehmen sie im Beisein zweier Hunde unter lichtdurchflutetem Herbstlaub einen Umtrunk ein und unterhalten sich angeregt. Der überlieferte Titel „Jäger bei der Kaiserjagd“ legt nahe, dass es sich hierbei um eine Szene handelt, die sich während einer der großen Hofjagden ereignete, die unter den Fürsten Otto (1837-1896) und Christian Ernst (1864-1940) zu Stolberg-Wernigerode in Anwesenheit der deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) und seinem Enkel Wilhelm II. (1859-1941) abgehalten wurden. Für diese mit großem Aufwand inszenierten Jagdvergnügen etablierte sich bald die Bezeichnung „Kaiserjagd“ und reisten zahlreiche Schaulustige eigens nach Wernigerode, um einen Blick auf den Monarchen und die ausgelegte Jagdstrecke, also das erlegte Wild, zu werfen.

Das in seiner Malweise deutlich vom Impressionismus beeinflusste Gemälde von Pramme zeigt jedoch in atmosphärischer Dichte einen Moment der Entspannung und Geselligkeit, wie er sich im Rahmen solcher Jagden gleichfalls darbieten konnte.

Autor: Ulrich Feldhahn

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