Sonderausstellung
Vom teuren Nass. Zur Geschichte der historischen Bäderarchitektur.
Am Freitag, dem 20. Mai 2011, wird um 19:00 Uhr, in den Sonderausstellungsräumen im Frühlingsbau auf Schloß Wernigerode die nächste Sonderausstellung "Vom teuren Nass. Zur Geschichte der historischen Bäderarchitektur" eröffnet.
Das Thema der Ausstellung entführt in eine bekannte wie unbekannte Welt. Die Aufklärung brachte einen neuen Bautypus hervor: das Badehaus. Nach dem relativen Tiefstand der Körperpflege im 17. Jahrhundert entdeckte man das Baden im stehenden und fließenden Wasser erneut. Für die gewandelte Vorstellung von Hygiene auf der Basis neuer medizinischer Erkenntnisse und für eine bewusstere Körperkultur wurden Bauten entworfen, in denen das Baden geradezu zelebriert wurde. Badeschiffe, Entwürfe zu Badehäusern und die im 18. Jahrhundert entstehenden Seebäder an Nord- und Ostsee boten den Architekten Gelegenheit, ganz neue Raum- und Bautypen auszuprobieren. Markante Stationen, verschiedene Formen und Phänomene der wiedererstarkenen Badekultur in der daraus resultierenden Badehausarchitektur werden in der Ausstellung vorgestellt.
Das 19. Jahrhundert war die große Zeit der Kurbäder. Fürsten, Könige und Kaiser trafen sich mit der intellektuellen Elite im weniger zeremoniellen Rahmen in der Sommerfrische in den Kurbädern. Auch diese haben während des 19. Jahrhunderts eine neue und spezifische, sowohl städtebauliche wie bauliche Neuausrichtung erfahren. Dargestellt wird alles anhand von über 40 Originalmodellen, die Studierende des Instituts für Darstellen und Gestalten der Architekturfakultät der Universität Stuttgart gebaut haben. Jedes einzelne Modell wird ausführlich anhand von historischen Fotos und Rissen erläutert und eine Einführung in das Phänomen der historischen Bäderarchitektur gegeben.
Inhaltlich reiht sich das Thema in die Ausrichtung des Schlosses Wernigerode zu einem Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts ein.
Aus der Harzregion vertreten ist erstmalig ein Modell der Kuranlage von Bad Harzburg, im sogenannten Badepark mit dem ehemaligen Kurmittelhaus und der Wandelhalle sowie historische Zeugnisse zu Bad Suderode.
Zur Eröffnung sprechen Prof. Dr. Armin Willingmann, Rektor der Hochschule Harz sowie die Kuratorin der Ausstellung, Frau Dr. Susanne Grötz, von der Universität Stuttgart. Zur Ausstellung ist ein Band unter dem Titel: "Balnea" erschienen, der für 29,80 Euro während der Laufzeit der Ausstellung auf dem Schloß Wernigerode erhältlich ist.
Frau von Branconi auf Schloß Wernigerode
Ehemalige Grüne Henrichskammer wieder hergerichtet
Maria-Antonia Pessina-von Branconi galt in der Goethe-Zeit als schönste Frau Europas. 1746 in Genua als Tochter eines Schweizer Gardisten geboren, kam sie als Geliebte des Braunschweigischen Thronfolgers, Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand, 1766/67 mit nach Braunschweig. Schließlich ermöglichte er ihr durch großzügige Dotation das zwischen Wernigerode und Halberstadt gelegene Schloß Langenstein zu erwerben. Johann Wolfgang Goethe hatte sie bereits 1780 kennengelernt und war außerordentlich von ihrer Person fasziniert. Auf seiner zweiten und dritten Harzreise besuchte Goethe die "schöne Frau", wie er sie in Briefen an seine angebetete Charlotte von Stein nannte, auf dem Schloß Langenstein. Schloß Langenstein hatte nach der Branconi-Zeit verschiedene andere Besitzer, bis 1945 war es im Besitz der Landwirtschaftsgeschichte schreibenden Familie Rimpau. Heute befindet sich auf Schloß Langenstein ein Zentrum für Autisten, so dass eine museale Darstellung der Frau von Branconi und der Goethe-Bezüge nicht möglich ist.
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Harzsparkasse haben wesentliche Einrichtungsgegenstände des sogenannten Branconi-Zimmers aus Schloß Langenstein zur Dauerausstellung auf Schloß Wernigerode gekauft. Es handelt sich um drei großformatige Bilder im fürstlichen Stuckgoldrahmen, die die Freifrau von Branconi, den Braunschweigischen Herzog Carl Wilhelm Ferdinand und seinen Vater Herzog Carl I. zu Braunschweig-Wolfenbüttel zeigen. Darüber hinaus gehören zu den Einrichtungsgegenständen diverse Porzellane der Meißner Manufaktur, eine Sepiazeichnung sowie ein Pfeilerspiegelschrank der Zeit um 1770 in neugotischen Formen, der in dieser Art deutschlandweit museal einmalig sein dürfte.
In der Literaturwissenschaft wird immer wieder gemutmaßt, dass Frau von Branconi, wäre nicht Charlotte von Stein gewesen, die Person war, die Goethes Interesse vollständig an sich gezogen hätte.
Die Aufstellung der Möbel und Einrichtungsgegenstände findet in der wiederhergestellten Grünen Henrichskammer statt. Diese wurde im Winter 2010/11 durch die Schloß Wernigerode GmbH restauriert, insbesondere wurde die historische Seidenwandbespannung durch die Seidenmanufaktur Eschke aus Crimmitschau/Sachsen nachgewoben.
Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode hatte diesen Raum ab 1920 als Museumsraum eingerichtet.
Der Raum gehört zu einer gesamten Folge von Zimmern hinter dem Festsaal auf Schloß Wernigerode, die die Henrichskammern genannt werden und die nach ihrer Neukonzeption mit besonders hochwertiger Ausstattung die Besucher auf Schloß Wernigerode locken sollen.
Insgesamt wird durch die Neukonzeption des Raumes mitsamt der durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Harzsparkasse ermöglichten Einrichtung das Konzept eines national bedeutsamen Interieurmuseums, das Schloß Wernigerode darstellt, noch einmal nachdrücklich unterstrichen. Schloß Wernigerode bietet in zwei Rundgängen annähernd 50 historische Schloßräume zur Besichtigung an und ist mit ca. 180.000 Besuchern im Jahr das mit Abstand bestbesuchte Museum des Landes Sachsen-Anhalt, darüber hinaus auch das bestbesuchte Museum der gesamten Harzregion. Es gehört zu den Top 20 der deutschen Schloß- und Burgmuseen, was die Besucherzahlen anbelangt.
Ohne die tatkräftige Unterstützung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Harzsparkasse wäre die hoch qualitätvolle Neukonzeption und Einrichtung des Raumes nicht möglich gewesen.
Die öffentliche Präsentation des Raumes fand am Dienstag, dem 19. Juli 2011, um 13:00 Uhr in der historischen Halle statt. Anschließend wurde der entsprechende Raum besichtigt.
Zur Information:
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Sparkassen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und des Freistaates Sachsen. Seit ihrer Errichtung im Jahre 1995 hat die Stiftung gemeinsam mit den Sparkassen vor Ort mehr als 1.429 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von rund 48,5 Millionen Euro unterstützt. Davon wurde allein in Sachsen-Anhalt für 291 Projekte eine Gesamtsumme von rund 11 Millionen Euro bereitgestellt. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie „PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht. Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nicht-staatlicher Kulturförderer in Deutschland.
Bildung für Alle. Der Verlag Philipp Reclam jun.
Aus der Sammlung Georg Ewald
Am Donnerstag, dem 15. September 2011, wird um 19:00 Uhr in den Sonderausstellungsräumen im Frühlingsbau des Schlosses Wernigerode die Ausstellung Bildung für Alle. Der Verlag Philipp Reclam jun. Aus der Sammlung Georg Ewald eröffnet.
Fast jeder hat in seinem Leben Kontakt mit dem Verlag Reclam bekommen und sei es, weil durch die vorgeschriebenen Schullektüren Reclambändchen zum Bildungsgang eines Jeden in Deutschland gehören.
Der Verlag selbst existiert jedoch schon viel länger als wir uns das heute vorstellen können. Gegründet wurde er 1828 in Leipzig. Den großen Aufschwung nahm er jedoch erst seit dem Jahr 1867. In diesem Jahr erschien als Band 1 Goethes Faust I und ist bis heute die Nummer Eins in Reclams Universalbibliothek geblieben.
Im Jahre 1867 wurden die Rechte an den deutschen Klassikern frei, was die Voraussetzung dafür bot, eine solche universale Literaturreihe wie Reclams Universalbibliothek ins Leben zu rufen.
Eine der größten deutschen Privatsammlungen hat der Sammler Georg Ewald aus Frankfurt am Main zusammengetragen. Seine Sammelleidenschaft begann in den Jahren 1984/85, wo er ursprünglich eine Ausstellung mit Rowohlt-bändchen machen wollte und erschreckt feststellte, dass seine eigene Sammlungstätigkeit dafür nicht genügend Stoff hergab. So stieß er auf eine große Kiste mit Reclambändchen, die zum Anreger einer immensen „Sammelwut“ wurde, so dass die sicherlich größte Reclamsammlung im Privatbesitz von ihm zusammengetragen wurde.
In der Ausstellung werden in 5 Räumen weit über 300 Einzelbände ausgestellt. Jedoch nicht nur dies, es werden auch umfangreiche Werbematerialien sowie Literaturbegleitobjekte vorgestellt. Besonders witzig sind solche z. B. in Form von popfarbenen Goethe- und Schillerbüsten, die in derselben Manufaktur, in der früher die aus Porzellan gefertigten Gartenzwerge in Thüringen gefertigt worden sind, durch Reclam hergestellt worden.
Eine ganz besondere Kostbarkeit stellt ein Originalexemplar der Nummer 1 aus Reclams Universalbibliothek – eben des Faust – dar, das eine Privatleihgabe von Frau Reclam darstellt. Auch die Geschichte des Verlages vor Gründung der Universalbibliothek nimmt einen breiten Raum ein, ebenso wie Widmungsexemplare und besondere Reclamexemplare mit Geschichte.
Hier ist an besondere Einträge oder Druckwerke zu denken. Dazu gehört auch die so genannte verdeckte Literatur, das heißt, dass hier zum Beispiel Kritik am NS-Regime in Form von Reclambändchen hinter den Umschlagdeckeln versteckt wurde. Sicherlich eine besondere, zu entdeckende Kostbarkeit.
Im letzten Raum wird der Bezug vom gegenwärtigen Leser, vom ich und du zum Reclamband thematisiert, das heißt, hier werden besondere Hefte mit Schülerkritzeleien, Schülerkommentaren oder überhaupt frechen und weniger frechen Eintragungen und Karikaturen sowie Zeichnungen präsentiert. Man ist erstaunt, was Schüler auf den Namen Lessing reimen.
Als weiteren Höhepunkt der Ausstellung stellt der Verlag Philipp Reclam jun. einen originalen Reclam-Universalbibliotheks-Buchautomaten zur Verfügung, der mit historischen Reclambändchen gefüttert wird, die man während der Ausstellung vor Ort in der Ausstellung aus dem historischen Automaten ziehen kann.
Ebenso zur Ausstellung erschienen ist im Format von Reclams Universalbibliothek ein Bändchen unter dem Titel: Reclam. Die Kunst der Verbreitung, der für 3 € aus einem anderen Buchautomaten gezogen werden kann.
Zur Eröffnung spricht Prof. Dr. Armin Willingmann, Rektor der Hochschule Harz sowie Georg Ewald als Sammler. Dr. Jörn Garber aus Kassel führt in die Sammlung und die Ausstellung ein.
Pressemitteilung
Ankauf eines Lavater-Portraits, Schule/Umkreis von Anton Graff, um 1780
Die Person Johann Caspar Lavater ist für die Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa von zentraler Bedeutung. Äußerlich zwar sein Leben lang nur Pfarrer an der Sankt Peters Kirche in Zürich, war er dennoch einer der großen Anreger der Geistesgeschichte und oft und gern besuchter Mittelpunkt für die geistige Elite, insbesondere Deutschlands.
Von herausragender Bedeutung ist seine Freundschaft zum jungen Johann Wolfgang Goethe, den er auch für die Mitarbeit an seinen Physiognomischen Fragmenten gewinnen konnte. Die Physiognomie als Wissenschaft wurde von Lavater mit einer Vehemenz ins Leben gerufen und verfolgt, die bis heute erstaunt. Sie geht davon aus, dass im äußerlichen Antlitz des Menschen seine Charaktereigenschaften ablesbar sind.
Der gräflich Stolberg-Wernigerödische Hof in Wernigerode war während des 18. Jahrhunderts ein eminentes Zentrum des Pietismus in Sachsen-Anhalt, nach den Frankeschen Stiftungen sicherlich der zweitwichtigste Kulminationspunkt. Nur zweimal ist Lavater außerhalb von Zürich gewesen: einmal 1786 auf der Reise nach Bremen und ein zweites Mal 1793 nach Kopenhagen. Beide Male hat er die gräflich Stolberg-Wernigerödische Familie auf Schloß Wernigerode besucht, wie auch Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt. Die gräfliche Familie ihrerseits besuchte Lavater im Sommer 1789 in Zürich. Während dieser Reise übergab Lavater ein zweibändiges handschriftlich erfasstes Erbauungsbuch, Titel: Andenken an liebe Reisende 1787, die Widmung erfolgt an die Stolberg-Wernigeröder Grafentochter: „An Maria Stolberg, 18. 08. 1789, Johann Caspar Lavater“.
Das Verhältnis zu Lavater passte sehr gut zu der in Wernigerode gepflegten pietistischen Richtung. Lavater wird mit seiner Art der christologischen Betrachtung zum Korrespondenten und theologischen Lehrmeister. Darüber hinaus gab es eine tiefgehende Freundschaft zwischen dem gräflichen Bibliothekar Johann Lorenz Benzler (1747 - 1817), der ab 1783 bis zu seinem Tode Bibliothekar der berühmten Stolberg-Wernigeröder Bibliothek war und Redakteur des Wernigerödischen Intelligenzblattes von 1797 bis 1808.
Vor einigen Jahren konnte die Schloß Wernigerode GmbH einen umfang- und inhaltsreichen Brief von Johann Caspar Lavater an Johann Lorenz Benzler aufkaufen, der deutlich diese inhaltliche Beziehung belegt.
Der Ankauf wurde finanziert durch:
Lotto-Toto Sachsen-Anhalt GmbH, Sparkassenstiftung der Kreissparkasse Wernigerode, Industriebau Wernigerode und Eigenmittel der Schloß Wernigerode GmbH.
Das Portrait wird seinen dauerhaften Platz im Themenbereich „Höfische Repräsentation“ am Ende des 2. Schloßrundgangs finden.
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