
Moritz Delfs
Ritter Bock von Schlanstedt entführt Gräfin Oda von Falkenstein
Die auf dem Bild dargestellte Szene entstammt dem Roman Der Raubgraf. Eine historische Geschichte aus dem Harzgau des in Quedlinburg geborenen Schriftstellers Julius Wolf, erschienen 1886.
Im Buch geht es um die Auseinandersetzung zwischen dem auf dem Regenstein bei Blankenburg ansässigen „Raubgrafen“ Albrecht II. von Regenstein mit dem Halberstädter Bischof. Dementsprechend spielt die Szenerie auf einem Feld zwischen Blankenburg und Wernigerode. Im Hintergrund sind die Türme des Domes und der Martinikirche von Halberstadt zu erkennen.
Ritter Bock von Schlanstedt entstammt bäuerlichen Verhältnissen und ist in den Diensten der Regensteiner Grafen aufgestiegen und hier zum Ritter geschlagen worden. Er durchstreift mit sechs anderen Rittern, die mit ihm zusammen „die Bösen Sieben“ genannt werden, die Gegend des Harzgaus zwischen den Flüssen Oker und Bode. Auf einem dieser Streifzüge nimmt er, ohne sie in ihrem Rang und Status zu erkennen, die Gräfin Oda von Falkenstein gefangen. Ihr Bruder ist Hoyer II. von Falkenstein, der keine Kinder hat und mit seiner Frau vor allem geistlich interessiert ist und an den Halberstädter Bischofshof ziehen will. Er hat vor, seine Grafschaft dem Halberstädter Bischof zu vermachen. Demgegenüber hat Albrecht II. von Regenstein kein Interesse an einer weiteren Machtausweitung des Halberstädter Bischofs und freut sich, daß Oda, eigentlich als Nonne für das Quedlinburger Damenstift designiert, unerkannter Weise durch Bock von Schlanstedt in seine Gefangenschaft geraten ist. Er hält sie auf dem Regenstein gefangen, sie wird später auch seine Frau.
Im Machtspiel des 14. Jahrhunderts werden verschiedene territoriale Gewalten im Widerstreit miteinander gezeigt. Die Regensteiner Grafen auf der einen Seite, verbündet mit den Grafen von Mansfeld und den Grafen von Stolberg im Südharz, auf der anderen Seite der Halberstädter Bischof verbündet mit den Grafen von Blankenburg und den Grafen von Wernigerode. Dazwischen befindet sich das freiweltliche Damenstift in Quedlinburg, das eigentlich reichsunmittelbar ist und zwischen diesen Territorialgewalten hin und her laviert. Am Ende setzt sich der Halberstädter Bischof in Verbindung mit den Wernigeröder Grafen, den Blankenburgern und den Bürgern der Stadt Quedlinburg durch.
Eher zufällig wird der „Raubgraf“ von zwei Halberstädter Rittern am Ende getötet, nachdem er vorher in Quedlinburger Gefangenschaft geraten war. Am Ende steht eine neue Machtkonstellation: Die Regensteiner Grafen sind in ihrer Macht beschnitten, der Halberstädter Bischof weitet seinen Einfluß aus und 1343 konstituiert sich als Territorium zum ersten Mal deutlich die Grafschaft Wernigerode.
Moritz Delfs hat hier eine hochdramatische Szene, die für den Verlauf des Romans von entscheidender Wichtigkeit ist, in Bildform gebracht. Charakteristisch ist es, daß die Landschaft gleichzeitig die Szenerie des 19. Jahrhunderts darstellt, wie dies auch auf anderen Bildern, z. B. im Festsaal auf Schloß Wernigerode geschieht. Delfs ist ein hochkarätiger Maler, dessen Werk u. a. in der Hamburger Kunsthalle aufbewahrt wird.
Harzer Volkstimme 23. 7. 2008:
Schloss Wernigerode und seine Schätze
Karikatur aus allerfeinstem Dresdener Porzellan
Von Ingmar Mehlhose

"Wer das Schloss besucht, kann eine Menge neuer Dinge entdecken", sagt Christian Juranek. Eines dieser Stücke ist ein Wackelpagode. Diesen konnte der Geschäftsführer am 2.Juli bei einer Auktion auf Schloss Hagenburg erwerben.
"Wir hatten bereits eine", berichtet Juranek. Jene Figur gehörte allerdings nicht zum eigenen Fundus. Sie zählte zu den Gegenständen aus anderen Sammlungen, die nach 1945 hoch über der bunten Stadt in das dort eingerichtete Landesdepot für Kunstgut gebracht wurden und nach dem Gesetz von 1994 mit Restitutionsansprüchen belastet waren. In solchen Fällen wird zwar zunächst versucht, den Verbleib als Dauerleihgabe zu sichern. Hier leider vergebens. Der Schlossherr: "Der Alteigentümer war nicht bereit, sie uns zu überlassen."

"Wir haben gedacht, ein Ersatz wäre schön, denn der Pagode war sehr beliebt", erläutert Eva-Maria Hasert. "Jahrelang Ausschau gehalten" wurde danach, so die Kustodin von Schloss Wernigerode.
Die jetzt erworbene Kostbarkeit wurde durch den Künstler Carl Thieme von der Manufaktur Pottschappel in Dresden geschaffen. Sie ist im Stil von Kändler (Meißen) gehalten. Diese Marke war von Pottschappel seit 1901 genutzt worden, erläutert Christian Juranek. Danach steht fest, dass sie in den frühen 20-er Jahren entstanden ist.
Das im Porzellankabinett zu bestaunende Stück ist allerdings nicht nur lustig anzuschauen. Die Figur hat nach Schilderung von Kustodin Eva-Maria Hasert durchaus einen tieferen Sinn. Sie diente seinerzeit dazu, eine bestimmte Person zu karikieren. Deshalb die übertrieben großen Ohren und die zum Klatschen bereiten Hände. Letztere lassen sich übrigens wie auch die Zunge mechanisch bewegen.
Christian Juranek findet: "Der Wackelpagode passt hervorragend zu unserer Sammlung über das 19.Jahrhundert." Dieses endet nämlich erst 1918. Mit der Abdankung von Kaiser Wilhelm II.
Harzer Volksstimme 14. 08. 2008:
Schloß Wernigerode und seine Schätze
Ein besonderer Bismarck - der Kanzler in Zivil
Wer in diesen Tagen die Sonderausstellung „Napoleon III. Kaiser der Franzosen“ im Frühlingsbau von Schloß Wernigerode besucht, wird auch ihn entdecken. Im letzten Raum hängt ein Ölgemälde mit einem Porträt des preußischen Ministerpräsidenten und ersten Reichskanzlers Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen (1815-1898). Für Schloß-Geschäftsführer Dr. Christian Juranek ist das von dem 1896 nach Berlin gezogenen Porträtmaler Felix Ehrlich (1866-1931) geschaffene Kunstwerk gleich auf zweifache Art bemerkenswert. Juranek: „Zunächst ist es eine Besonderheit, daß nicht der militärische, sondern der private Bismarck porträtiert wurde.“ Zum anderen habe Ehrlich eine sehr interessante, weil moderne Malweise gewählt. Statt wie viele seiner damaligen Kollegen die Farbe in der Fläche zu verteilen, sei der „Eiserne Kanzler“ Strich für Strich verewigt worden. Während die Napoleon-Schau noch bis zum 2. November zu bestaunen ist, bleibt Bismarcks Konterfei dem Schloß erhalten. Es handele sich, so der Geschäftsführer nicht ohne Stolz, „um eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland“.
Harzer Volksstimme vom 3. 11. 2009:
Dank großzügiger Spende werden im Schloss drei Crola-Großgemälde ausgestellt
Neidvoll schauen Museen auf Wernigerode
Von Andreas Fischer
Christian Juranek (Mitte), Peter Ahlgrim (links) und André Fleischhauer sind überzeugt: Der Ankauf des Ölgemäldes "Bayrische Voralpenlandschaft mit Wasserfall" von Crola erhöht weiter die Bedeutung von Schloss Wernigerode. Foto: Andreas Fischer
Die Gemälde von Georg Heinrich Crola sind international gefragt, sogar in den USA. Während sich renommierte deutsche Museen darüber freuen, wenn sie ein großformatiges Crola-Bild zeigen können, hat Wernigerodes Schloss jetzt ein drittes Großgemälde in die Ausstellung aufgenommen.
Wernigerode. Das Schloss Wernigerode ist um eine Attraktion reicher : Ein aus dem Jahr 1831 stammendes Gemälde des Caspar David Friedrich-Schülers Georg Heinrich Crola. Die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt ( ÖSA ) hatten den Neuankauf ermöglicht, indem sie einen Betrag " im höheren vierstelligen Bereich " zur Verfügung stellte. Darüber informierte ÖSA-Vorstandsvorsitzender Peter Ahlgrim während der Übergabe
Nach den Bildern " Ilsestein im Sonnenlicht ", das 1858 gemalt worden war, sowie " Holzhauerhütte im Brockengebiet ", es entstand 1840, kann nun zusätzlich das Ölgemälde " Bayrische Voralpenlandschaft mit Wasserfall ", gemalt im Jahr 1837, in der Halle des Schlosses betrachtet werden. Wie Dr. Christian Juranek, Geschäftsführer der Schloss Wernigerode GmbH, bei der Übernahme des Bildes sagte, würden sich bedeutende deutsche Museen schon glücklich schätzen, wenn sie ein großformatiges Crola-Gemälde zeigen können, " wir besitzen nun drei solcher großen Gemälde ". Als einen Beweis für die große Bedeutung der Crola-Werksausstellung, " die von etwa 70 000 Menschen betrachtet wurde ", weiß der Museumschef. Er sieht auch den Besuch von wissenschaftlichen Mitarbeitern verschiedener größerer Museen.
Der " Schlossherr " sei schon während der Vorbereitung dieser besonderen Exposition, die auch dank verschiedener Leihgaben, darunter des Ilsenburger Hütten- und Technikmuseums, ermöglicht wurde, überzeugt gewesen, dass sich wegen der langen Schaffenszeit dieses Künstlers im Harz noch interessante Arbeiten von Crola hier in der Region in Privatbesitz befinden.
Um diese der Allgemeinheit auch präsentieren zu können, startete Juranek nach der Eröffnung der Werksausstellung einen Aufruf, sich bei einer Verkaufsabsicht an die Wernigeröder Schloss-Gesellschaft zu wenden. Die Veröffentlichungen in der Harzer Volksstimme führten dazu, dass ein Blankenburger auf ein Bild des Malers Prof. Ingo Crola aufmerksam machte, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt hatte und als bedeutender Porträtmaler bekannt wurde. Auf ein Bild von Georg Heinrich Crola, der 1804 in Dresden geboren worden war, ab 1840 mit seiner Frau Elise in Ilsenburg lebte und 1879 dort starb, wurde der Museumschef nach einer weiteren Veröffentlichung über die Wernigeröder Crola-Ausstellung im September in der Braunschweiger Zeitung hingewiesen. Juranek : " Ein Kunstliebhaber aus dem Kreis Goslar meldete sich beim Kunstexperten Gerd Ilte, der den Kontakt zum Schloss vermittelte. Das geforderte Geld allerdings konnte das Museum nicht aufbringen. "
Der Geschäftsführer erinnerte sich an die gute Zusammenarbeit mit den ÖSA-Versicherungen, die bereits seit vielen Jahren rund um das Wernigeröder Schloss mehrere Spuren hinterlassen hat. Bis in die Spitzen der Türme und Türmchen kriechen dank dieser Kooperation heutzutage Blitzableiter und wurde der Überspannungsschutz installiert. Den Blüthner-Jubiläumsflügel aus dem Jahr 1905 überließ das Unternehmen dem Schloss für den Musiksaal, bevor es den Ankauf des Ölgemäldes von Georg Heinrich Crola finanzierte.
Dieser Maler hatte zeitweise auf Schloss Wernigerode gearbeitet. Nun wird an ihn mit der Präsentation seiner Arbeiten erinnert. Gleichzeitig erlebte die erstmalige Werkschau des spätromantischen Malers kurz vor ihrem Abschluss " einen wirklich nicht vorhersehbaren Höhepunkt ", freute sich Christian Juranek.
Ein Artikel in der Volksstimme vom 25. August 2012 über unser Schloß: Zentrum der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts unter: www.volksstimme.de/schlösser
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